Neben den einzelnen Initiativen, wie die von Graciela, hat auch der Staat eine Vision für die Zukunft, die ich hier kurz zusammenfassen möchte. Die Idee des Staates Argentinien ist es eine Art Kreislaufwirtschaft zu erreichen, obwohl man hier aktuell noch weit davon entfernt ist. Dafür soll mehr recycelt werden, um die Kontamination zu verringern. Dieses Recycling soll aus der Wiederverwendung der Rohstoffe bestehen oder es soll Biogas zur Energieerzeugung generiert werden. Durch das bessere staatlich organisierte Recycling sollen die „Cartoneros“ aus dem informellen Sektor geholt werden und dementsprechend bessere Arbeitsbedingungen gewährleistet werden. Die Veränderungen sollen also nicht nur für eine lebenswertere Umwelt sorgen, sondern haben auch sozial und ökonomisch große Auswirkungen.
Eine sehr einfache und recht billige Maßnahme wäre es, wenn jeder und jede einen Kompost in seinem oder ihrem Garten hätte. Damit könnte man die Abfälle insgesamt um 50% reduzieren (Zahlen gelten weltweit). Daran wäre hingegen die Müllabfuhr gar nicht interessiert, da sie nach Kilo eingesammeltem Abfall bezahlt werden und somit 50% weniger Abfall einsammeln könnten und 50% weniger Einnahmen hätten. Für die Gemeinde wäre es auch ein großer Gewinn, da sie so weniger bezahlen muss und die CEAMSE weitaus weniger schnell gefüllt wäre. Warum diese Maßnahme noch nicht umgesetzt wurde, ist mir unklar. Falls Sie noch keinen Kompost haben, kann ich es Ihnen auch in Deutschland nur empfehlen, sich einen anzulegen. Denn auch wenn Kompost in Deutschland separat eingesammelt wird, können Sie nur mit einem eigenen Kompost garantieren, dass aus Ihren organischen Abfällen wieder Erde wird und die Abfälle nicht doch unnötigerweise verbrannt werden oder auf einer Müllkippe landen.
Was wir alle lernen und mitnehmen können ist aus meiner Sicht Folgendes:
In meinen Recherchen bin ich auf ein anderes System gestoßen und habe festgestellt, dass das System in Deutschland einen ganz großen Vorteil hat. Dieser besteht für mich darin, dass jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland für die Abfallentsorgung direkt bezahlen muss. Man bezahlt mehr, wenn man mehr entsorgen möchte und ein größeres Fassungsvermögen der Mülltonne, und weniger, wenn man eben weniger Müll produziert. Denn so kann garantiert werden, dass der Müll regelmäßig eingesammelt, fachgerecht entsorgt und recycelt wird und die ArbeiterInnen angemessen bezahlt werden.
Natürlich können wir auch noch einiges in Deutschland verbessern, vor allem was das Recyceln angeht und im Schritt vorher die Vermeidung von Plastik im Generellen. Die Reduktion und Vermeidung von Plastik ist die vielleicht sogar wichtigste Maßnahme weltweit zur Reduktion von Müll. Dafür fehlt es aber in vielen Fällen an Bildung, Wissen und dem Willen zur Veränderung. Wie auch in Deutschland wird hier vieles unnötigerweise in Plastik verpackt. Außerdem wird sorglos und gedankenlos mit Plastiktüten umgegangen.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Geschichte von Graciela erzählen. Sie ging immer in den gleichen Obstladen und bekam ihr Obst und Gemüse automatisch in Plastiktüten eingepackt. Sie sagte, dass sie das nicht wolle, da sie nur das Obst und Gemüse kaufe und für das Plastik nicht bezahle. Daher packte sie das Obst und Gemüse wieder aus den Tüten aus und ließ diese da. Die Verkäufer verstanden dies zuerst nicht, da sie das Obst und Gemüse immer in Plastiktüten packten und ihre Verhaltensweisen aus Gewohnheit nicht hinterfragten. Nach einigen Einkäufen verstanden sie, dass Graciela ihre eigenen Tüten mitbringt und dass nicht jedes Mal
eine neue Tüte notwendig ist.
Heute steht im gleichen Laden ein Schild, dass man sorgsam mit den herumliegenden Plastiktüten umgehen soll. Diese Geschichte soll zeigen, dass ein Wandel und Umdenken möglich ist, auch wenn es am Anfang schwierig oder unangenehm erscheint. Natürlich ändert dies nicht die Welt und löst auch nicht unser Problem mit Plastik, doch es sind kleine Schritte, um anzufangen. Dafür ist es wichtig, Wissen zu vermitteln und kritisches Hinterfragen zu unterstützen. Genau das ist wiederum eine der selbst gestellten Aufgaben der NGO „Patrimonio Natural“. Mit ihren Vorträgen, Reden und Führungen trägt sie dazu bei, Denkanstöße zu geben. Sie gibt Wissen an beispielsweise Kinder weiter, die das Gelernte wiederum ihren Eltern erzählen und diese (früher oder später) zum Handeln bringen.