Detail_Patrimonio_Natural_2024_05

Abfallentsorgung am anderen Ende der Welt - unterschiedlich und doch ganz ähnliche Probleme?

10.05.2024 - Kirsten Scheibke
Abfall entsteht überall auf der Welt. Die Entsorgung wird jedoch in vielen Fällen erst bedacht, wenn der Abfall bereits entstanden ist. Eigentlich sollte man denken, dass wir nach so vielen Jahren begriffen haben, welche Probleme mit so viel Müll einhergehen, vielleicht sogar Lösungen und Konzepte für unseren ganzen Müll gefunden haben. Doch leider landet unser Müll am Ende meistens immer noch am Straßenrand, im Wald, im Fluss, im See oder schließlich im Meer. Welche Ansätze, Ideen und vielleicht auch Herausforderungen und Probleme es mit dem Abfall in Argentinien gibt, habe ich in meinem Bericht aus dem "Patrimonio Natural" zusammengestellt.

Seit nun schon fast sieben Monaten leiste ich meinen weltwärts-Freiwilligendienst bei der argentinischen NGO „Patrimonio Natural“. Die NGO hat vier Standbeine und einen Schwanz, wie Graciela Capodoglio, die einzige noch aktive Gründerin und meine Chefin, gerne sagt. Die vier Standbeine sind: 
  1. Die Baumschule mit einheimischen Pflanzen, in der ich hauptsächlich arbeite,
  2. die Recyclingstation in meinem Vorgarten, auf die ich später noch genauer zu sprechen komme,
  3. die Umwelterziehung und Bildung durch Vorträge an Schulen und in Kindergärten
  4. und selbstverständlich das Naturreservat "Patrimonio Natural del Pilar".
Der Schwanz der NGO ist während der Corona-Pandemie hinzugekommen. Viele Wildtierauffangstationen haben während dieser Zeit geschlossen und so werden bei uns in der NGO immer wieder Wildtiere von Leuten aus der Bevölkerung abgegeben. Wir versorgen sie und wildern sie danach in der Reserva aus.
Die Anfänge der „Reserva Natural del Pilar“ liegen schon mehr als 20 Jahre zurück. Graciela und ihre Freundin Liliana Murga suchten zu diesem Zeitpunkt ein Grundstück für die Gründung einer Reserva. Sie fanden ein geeignetes Grundstück, was aber in seiner damaligen Nutzung genau dem Gegenteil einer Reserva entsprach. Es war eine Müllkippe. 

Das Grundstück war ausgeschrieben als Ablageort für Kompost und Zweige, wurde aber in der Realität als Ablage für alles Mögliche und somit auch Müll genutzt. Das Grundstück war in der Hand der Gemeinde und diese wusste über den Zustand und die Fehlnutzung Bescheid, lud dort sogar selbst Müll ab. Durch diese fehlende Ausweisung unterlag die Müllkippe keinen Auflagen und erfüllte keine der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.
Foto: Patrimonio Natural
Probleme, die mit unkontrolliertem und unreguliertem Abladen von Abfällen einhergehen, sind vielschichtig und entstehen bei vielen (illegalen) Müllkippen weltweit. Als erstes weiß man nicht, welche Abfälle abgeladen werden und so könnten auch hochgiftige Stoffe darunter sein. Abgesehen davon entstehen durch das Eindringen von Regen gefährliche und giftige Abwässer, die das Grundwasser und den Boden verseuchen. Es entstehen Treibhausgase, die den Klimawandel weiter anheizen. Weltweit tragen Treibhausgase aus Müllkippen zwischen 3% und 5% zu den gesamten Treibhausgase bei. Außerdem entstehen giftige Gase, die ungefiltert und unkontrolliert entweichen können und unter denen besonders die Menschen, die nah leben, aber auch Tiere leiden. Die Gesundheit der Menschen insgesamt leidet. So gibt es mehr Fälle von Hauterkrankungen, Dengue, Cholera, unter Untergewicht leidende Neugeborene, um nur einige Probleme zu nennen.
Da nicht klar war, in welchem Zustand das Grundstück für eine mögliche Reserva war und daher nicht klar war, ob sich eine Reserva lohnt, kam der argentinische Ableger des WWFs vorbei. Sie gaben ihr „go“ für eine Reserva und so ging kurz darauf die Arbeit los.

Das Grundstück blieb dabei in Hand der Gemeinde. Die NGO übernimmt bis heute nur die Organisation und Verwaltung der Reserva. Vorteile von diesem Modell liegen auf beiden Seiten. Die NGO hat in ihren Entscheidungen freie Hand und kann bei einem politischen Machtwechsel garantieren, dass die Reserva bestehen bleibt. Gleichzeitig ist durch die festgeschriebene Nutzung eine Langfristigkeit des Projekts von Seiten der Gemeinde gesichert und muss niemanden für die Verwaltung bezahlen. Bezahlt werden jedoch sieben Guardaparques, die jeweils 15 Tage in der Reserva und 15 Tage bei ihren Familien leben. Außerdem werden von der Gemeinde die Elektrizität, Wasser und teilweise auf Antrag weitere Gelder zur Instandhaltung der Reserva bereitgestellt. Bis das alles erreicht wurde, brauchte es aber viel Durchhaltevermögen.
Foto: Patrimonio Natural
Im September 2003 begannen Graciela und Liliana immer an den Wochenenden mit dem Sammeln von Müll, den sie daraufhin bei sich zu Hause entsorgten. Unter der Woche arbeiteten sie normal weiter. Mit der Zeit entwickelten sie ein System, durch das sie mehr Unterstützung erhielten. Donnerstags kamen Schulen in die Reserva, um beim Aufsammeln von Müll zu helfen, freitags besuchten die Beiden Schulen und hielten dort
Vorträge über die Umwelt und die Reserva. Sonntags fanden regelmäßig Reden und Führungen in der Reserva für Interessierte statt. Bis 2007 ungefähr sammelten Graciela, Liliana und ihre mittlerweile gefundenen Mitstreiter Müll auf. Danach begannen sie mit nicht weniger Engagement einheimische Pflanzen zu pflanzen, einheimische Wildtiere auszuwildern und anzusiedeln und die Bildungsangebote auszubauen. Diese Aufgaben gibt es bis heute. Ausgeführt werden diese von den Guardaparques mit Unterstützung von Ehrenamtlichen.
Aufgrund der Geschichte der Reserva stößt man heute noch bei Pflanzungen oder anderen Arbeiten regelmäßig im Boden auf Müll. Mancher Müll war aber auch zu groß, um ihn abzutransportieren und so finden sich auf dem Gelände Autowracks und große Steinblöcke.

Doch der Müll, der auf dem heutigen Gelände entfernt wurde, musste auch irgendwo hin. Und nur weil eine Müllkippe hier geschlossen bzw. nicht mehr genutzt wurde, hieß das nicht, dass es das Problem des Abfalls weder in der Reserva noch im generellen in irgendeiner Weise gelöst wurde.
Oberhalb der Reserva, auch am Rio Luján, liegt in Luján die mit 14,7 ha größte Müllkippe Argentiniens. Das sind ungefähr 18 Fußballfelder! Sie besteht seit über 40 Jahren. Da die Müllkippe direkt am Fluss Luján liegt gelangt durch Wind und Wetter Müll in den Fluss und so flussabwärts auch in die Reserva. 

Das Gelände ist keineswegs müllfrei, wie heutzutage wahrscheinlich
kein Ort der Erde mehr. Gegen die Müllkippe in Luján gibt es Widerstand, aber eine Lösung scheint nicht in Sicht, denn irgendwo müsste der ganze Abfall hin und niemand will diesen verständlicherweise vor seiner Tür haben.

Im folgenden stelle ich einige Fakten und Zahlen über die Probleme mit dem Abfall in Argentinien im Allgemeinen sowie die mehr oder weniger vorhandenen oder nicht vorhandenen Prozesse der Abfallentsorgung dar.
Foto: Patrimonio Natural
Insgesamt gibt es in Argentinien ungefähr 5.000 Müllkippen unter offenem Himmel, was mehr als zwei Müllkippen pro Gemeinde entspricht (Karte mit allen Müllkippen in Argentinien eingezeichnet: https://escrituracronica.com/mapatrash-2/). Im Großraum Buenos Aires gibt es vorwiegend das System der CEAMSE („coordinación ecológico área metropolitano sociedad del estado“), was nichts anderes als eine kontrollierte Müllkippe unter offenem Himmel ist. Sie bestehen aus einem Loch, das mit Plastik ausgelegt ist und mit der Zeit mit Müll gefüllt wird. Nach einer gewissen Zeit wird dieses Loch mit Erde überdeckt und liegen gelassen. Durch die Folie darunter sollen gefährliche Abwässer und die damit zusammenhängende Verseuchung des Bodens und des Grundwassers verhindert werden. Durch das Abdecken mit Erde können Treibhausgase und giftige Gas nicht mehr austreten. Doch längst nicht alle Ablageorte sind so aufgebaut. 34,4% der Abfälle liegen auf Müllkippen mit unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen (Stand 2021). Zusätzlich gibt es, wie in Deutschland auch, ganz viele illegale Müllkippen.

Pro Tag entstehen in Argentinien circa 1,15 kg Hausmüll pro Kopf (diese Zahl entspricht ungefähr auch deutschen Zahlen). Auf ganz Argentinien betrachtet sind das 45.000 Tonnen pro Tag, was wiederum ungefähr einer Tonne alle zwei Sekunden entspricht. Nur 10% davon werden wiederum richtig entsorgt.

Prinzipiell ist die Gemeinde für die ordnungsgemäße Entsorgung zuständig. Dafür bezahlen sie private Firmen wie Transur, die diese Aufgabe übernehmen soll. Die Firmen werden pro eingesammeltem Kilo Müll aus dem Fond für Sozialausgaben bezahlt (und nicht aus dem Fond für Umwelt, da in dem Fond für Sozialausgaben mehr Geld zur Verfügung steht).

Der Müll wird hier nicht in Mülltonnen, sondern in uneinheitlichen Tüten gesammelt. Diese werden in Körbe vor den Häusern geworfen, die immer erhöht stehen. Der Grund dafür ist, dass es viele Straßenhunde gibt, die die Tüten aufreißen und in den Resten nach etwas Fressbarem suchen. Durch die Erhöhung soll es den Hunden schwerer gemacht werden. In vielen Fällen finden sie trotzdem eine Lösung, um an die Essensreste zu gelangen. Die privaten Firmen holen die Tüten dann ab und bringen sie zur sogenannten CEAMSE. Die privaten Firmen kommen mit ihrem eingesammelten Müll dort an und laden diesen ohne jegliche Klassifizierung oder Kategorisierung ab. Dafür müssen sie den Staat bezahlen, dem die CEAMSE gehört. 

Es gibt einige Ausnahmen, die ihren Müll nicht in die CEAMSE abladen dürfen, da die CEAMSE ausschließlich für Privathaushalte ist. Große Firmen/Industrien, Shopping Malls oder auch „barrios cerrados“ (geschlossene Viertel für den wohlhabenden Teil der Bevölkerung sind) dürfen ihre Abfälle nicht auf die CEAMSE werfen und müssen daher ein eigenes System des Recyclings und der Entsorgung aufweisen. So jedenfalls die Theorie. In der Praxis werfen auch viele der eigentlich ausgeschlossenen Fälle ihren Müll in die CEAMSE. Gleichzeitig landet aber auch nicht jeder Müll aus den ärmeren Vierteln in der CEAMSE. In diese Viertel kommt die Müllabfuhr oftmals weniger oft. Die Menschen wissen aber auch nicht, was ihre Rechte sind und an wen sie sich wenden müssen, damit der Müll abgeholt wird. So finden sich öfters Haufen von Müll an Straßenecken und am Straßenrand. Da die Menschen sich in solchen Fällen nicht anders zu helfen wissen, verbrennen sie den Müll im Garten oder auf der Straße. Dabei entsteht durch das enthaltene Plastik ein giftiger Rauch. Ich habe diesen Rauch leider auch schon selbst gerochen und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es zum einen grauenvoll riecht und zum anderen bei mir Kopfschmerzen hervorgerufen hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man an einem Ort wohnt, wo regelmäßig aus Ausweglosigkeit und Unwissenheit Plastik verbrannt wird und was das mit den
Menschen und ihrer Gesundheit macht.
Wie überall gibt es in einzelnen Fällen selbstverständlich Initiativen und Ideen, um die Abfallproblematik hier zu verändern und zu verbessern. Und wie überall gibt es leider auch viele Ideen, die niemals in Realität umgesetzt werden. Um ein bisschen Hoffnung und Optimismus zu verbreiten, geht es in den folgenden Abschnitten um geglückte Ideen. 

Eine davon befindet sich in meinem Vorgarten. Es ist eine Recyclingstation. Dorthin kann jeder seinen Müll bringen und in verschiedene Kategorien einsortieren. Einen Teil davon verwenden wir in der Baumschule weiter. Dazu gehören PET-Flaschen, Tetrapacks, Milchtüten,
Hundefuttertüten, Styropor in jeglicher Form und Gemüsekisten.
Grafik: Kirsten Scheibke
Was wir nicht verwenden, holt Angel ab. Er ist Teil einer Kooperative namens „Cooperativa del norte de cartoneros“. Er lebt von dem Weiterverkauf von Materialien, wie Karton, Papier, Tetrapacks, PET-Flaschen, Metall, Glas, PET, etc. Neben der Recyclingstation vor unserem Haus holt er den Müll auch bei Supermärkten ab. Dafür bekommt er von den Supermärkten zusätzlich noch eine kleine Aufwandsentschädigung. Das, was auf den Kompost gehört, bringt er auf seinen eigenen Kompost, den Rest bringt er in die Zentrale der Kooperative, die den vorsortierten Müll nochmal sortiert, nach Kategorie wiegt und ihn dafür bezahlt. Je höher die Qualität der Materialien ist, desto mehr Geld bekommt er dafür, doch zum Leben reicht es kaum.

Die Materialien werden von der Kooperative weiterverarbeitet und dann weiterverkauft. Die PET-Flaschen werden beispielsweise von der Kooperative kleingeschnitten und zerstückelt. Bei einer weiteren Firma werden diese Stückchen dann eingeschmolzen und in kleine Pellets gepresst. Diese werden zum Beispiel nach China verschickt, um dort wieder ein Produkt daraus zu machen.

Solche Kooperativen werden von einigen Gemeinden unterstützt. Doch normalerweise arbeiten die sogenannten „Cartoneros“ im informellen Sektor. "Cartoneros“ sind einfach gesagt Menschen, die Abfälle sammeln, um die noch zu verwertbaren Materialien weiterzuverkaufen. An vielen Stellen, vor allem in der Stadt Buenos Aires, sieht man „Cartoneros“, die die mit einer großen Art Schubkarre durch die Gegend laufen und von den Mülltonnen und Ablagestationen die noch verwertbaren Abfälle einsammeln.
Negativ beeinflusst werden die „Cartoneros“ durch den Import von Abfällen, der hier in Argentinien recycelt werden soll. Der Import, seit 2019 im großen Stil erlaubt, wird von großen Unternehmen durchgeführt und diese drücken durch das große Angebot die Preise für die Materialien. Die großen Unternehmen machen durch ihre Menge trotzdem Gewinn. Die „Cartoneros“ hingegen haben eine viel geringere Menge und leiden deswegen besonders stark unter den geringeren Preisen.

Ein Beispiel dafür ist Arcor. Das ist einer der wichtigsten Lebensmittelhersteller in Argentinien und weltweit tätig. Durchschnittlich importieren sie 50 Millionen Kilogramm Karton und Papier im Jahr. Diese Materialien haben einen Wert von ungefähr neun Millionen Dollar. Damit importieren sie 35% bis 50% des Gesamtwerts von allem importierten Karton und Papier. Nur 50% des importierten Abfalls ist aber überhaupt recycelbar. Da der Import aber so billig ist, macht es für die Firmen keinen Unterschied. Der Rest landet einfach auf den Müllkippen, die eigentlich für die Bevölkerung gedacht sind. Im Jahr 2021 sollte ein Gesetz dagegen beschlossen werden, doch durch die Macht der Firmen kam es nie zum Beschluss. 

Außerdem sind die hier ansässigen Unternehmen eigentlich gar nicht daran interessiert, mehr Materialien zu bekommen. Im Fall von Plastik gibt es im Land bereits genügend recycelbarer Plastikabfälle. Die Industrie könnte allein mit dem argentinischen Plastik ihre Recyclingquote von Plastik von 17 bis 20% auf bis zu 40% steigern. Das Problem hierbei ist, dass es sich, wie in Deutschland auch, finanziell nicht lohnt zu recyceln, da es teurer ist, daraus ein Produkt herzustellen, als es neu produzieren zu lassen. Auch wenn das hier erstmal fortschrittlich klingt, wird in Wirklichkeit nur ein sehr geringer Teil der Abfälle recycelt, laut Daten der UN insgesamt etwa 6% (in Deutschland 67,9%, wobei aber eine differenzierte Betrachtung notwendig ist, wie recycelt wird).
Neben den einzelnen Initiativen, wie die von Graciela, hat auch der Staat eine Vision für die Zukunft, die ich hier kurz zusammenfassen möchte. Die Idee des Staates Argentinien ist es eine Art Kreislaufwirtschaft zu erreichen, obwohl man hier aktuell noch weit davon entfernt ist. Dafür soll mehr recycelt werden, um die Kontamination zu verringern. Dieses Recycling soll aus der Wiederverwendung der Rohstoffe bestehen oder es soll Biogas zur Energieerzeugung generiert werden. Durch das bessere staatlich organisierte Recycling sollen die „Cartoneros“ aus dem informellen Sektor geholt werden und dementsprechend bessere Arbeitsbedingungen gewährleistet werden. Die Veränderungen sollen also nicht nur für eine lebenswertere Umwelt sorgen, sondern haben auch sozial und ökonomisch große Auswirkungen. 

Eine sehr einfache und recht billige Maßnahme wäre es, wenn jeder und jede einen Kompost in seinem oder ihrem Garten hätte. Damit könnte man die Abfälle insgesamt um 50% reduzieren (Zahlen gelten weltweit). Daran wäre hingegen die Müllabfuhr gar nicht interessiert, da sie nach Kilo eingesammeltem Abfall bezahlt werden und somit 50% weniger Abfall einsammeln könnten und 50% weniger Einnahmen hätten. Für die Gemeinde wäre es auch ein großer Gewinn, da sie so weniger bezahlen muss und die CEAMSE weitaus weniger schnell gefüllt wäre. Warum diese Maßnahme noch nicht umgesetzt wurde, ist mir unklar. Falls Sie noch keinen Kompost haben, kann ich es Ihnen auch in Deutschland nur empfehlen, sich einen anzulegen. Denn auch wenn Kompost in Deutschland separat eingesammelt wird, können Sie nur mit einem eigenen Kompost garantieren, dass aus Ihren organischen Abfällen wieder Erde wird und die Abfälle nicht doch unnötigerweise verbrannt werden oder auf einer Müllkippe landen.


Was wir alle lernen und mitnehmen können ist aus meiner Sicht Folgendes: 

In meinen Recherchen bin ich auf ein anderes System gestoßen und habe festgestellt, dass das System in Deutschland einen ganz großen Vorteil hat. Dieser besteht für mich darin, dass jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland für die Abfallentsorgung direkt bezahlen muss. Man bezahlt mehr, wenn man mehr entsorgen möchte und ein größeres Fassungsvermögen der Mülltonne, und weniger, wenn man eben weniger Müll produziert. Denn so kann garantiert werden, dass der Müll regelmäßig eingesammelt, fachgerecht entsorgt und recycelt wird und die ArbeiterInnen angemessen bezahlt werden.

Natürlich können wir auch noch einiges in Deutschland verbessern, vor allem was das Recyceln angeht und im Schritt vorher die Vermeidung von Plastik im Generellen. Die Reduktion und Vermeidung von Plastik ist die vielleicht sogar wichtigste Maßnahme weltweit zur Reduktion von Müll. Dafür fehlt es aber in vielen Fällen an Bildung, Wissen und dem Willen zur Veränderung. Wie auch in Deutschland wird hier vieles unnötigerweise in Plastik verpackt. Außerdem wird sorglos und gedankenlos mit Plastiktüten umgegangen.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine Geschichte von Graciela erzählen. Sie ging immer in den gleichen Obstladen und bekam ihr Obst und Gemüse automatisch in Plastiktüten eingepackt. Sie sagte, dass sie das nicht wolle, da sie nur das Obst und Gemüse kaufe und für das Plastik nicht bezahle. Daher packte sie das Obst und Gemüse wieder aus den Tüten aus und ließ diese da. Die Verkäufer verstanden dies zuerst nicht, da sie das Obst und Gemüse immer in Plastiktüten packten und ihre Verhaltensweisen aus Gewohnheit nicht hinterfragten. Nach einigen Einkäufen verstanden sie, dass Graciela ihre eigenen Tüten mitbringt und dass nicht jedes Mal
eine neue Tüte notwendig ist. 

Heute steht im gleichen Laden ein Schild, dass man sorgsam mit den herumliegenden Plastiktüten umgehen soll. Diese Geschichte soll zeigen, dass ein Wandel und Umdenken möglich ist, auch wenn es am Anfang schwierig oder unangenehm erscheint. Natürlich ändert dies nicht die Welt und löst auch nicht unser Problem mit Plastik, doch es sind kleine Schritte, um anzufangen. Dafür ist es wichtig, Wissen zu vermitteln und kritisches Hinterfragen zu unterstützen. Genau das ist wiederum eine der selbst gestellten Aufgaben der NGO „Patrimonio Natural“. Mit ihren Vorträgen, Reden und Führungen trägt sie dazu bei, Denkanstöße zu geben. Sie gibt Wissen an beispielsweise Kinder weiter, die das Gelernte wiederum ihren Eltern erzählen und diese (früher oder später) zum Handeln bringen.
Wir werden dieses Problem nicht von heute auf morgen lösen, doch wenn man offen und lernwillig ist, wird man mit seinen kleinen Schritten, die man macht, vielleicht schlussendlich doch etwas bewegen und andere Menschen dazu bringen mitzumachen.

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der
Welt verändern.“

Kirsten Scheibke

Quellen und weiterführende Infos:



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