Detail_Naturparke Spanien 2024

Vom Hochgebirge bis an den Atlantik: National- und Naturparke im spanischen Norden

02.10.2024 - PIENSA!-Stiftung
Der Norden Spaniens zeichnet sich durch eine oft noch wilde und teilweise unberührte Natur aus. Geprägt wird er zum einen von der Kantabrischen Kordillere, die mit einer großen Zahl von Gipfeln von mehr als 2.000 Metern Rückzugsort für bedrohte und unter Schutz stehende Arten ist. Hierzu gehören zum Beispiel der stark gefährdete Auerhahn und der sich heutzutage zum Glück in einer deutlich besseren Position befindende Kantabrische Braunbär.

Das Küstengebirge trennt das Kastilische Hochland vom Kantabrischen Meer und erstreckt sich - seinem Namen entsprechend - von Kantabrien über Asturien bis an die Grenze Galiciens. Die Ausläufer der Kordillere reichen im Osten bis zu den Pyrenäen und im Westen bis an die Grenze Portugals.
Zum anderen findet sich im spanischen Norden an vielen Orten noch eine  naturbelassene Küste. In den fjordähnlichen Landeinschnitten, „Rías“ genannt, und an den Mündungsgebieten der größeren Flüsse gibt es weitläufige Dünenlandschaften, die im Verbund mit dahinter liegenden Lagunen und Feuchtgebieten Rastmöglichkeiten für eine große Zahl von Zugvögeln bieten. 

Auf den der Küste vorgelagerten Inseln brüten Seevögel und bei Ebbe hat man in den Gebieten mit Steilküste den Eindruck, dass das Gebirge zum Teil direkt bis zum Meer reicht. Vor allem in der Grenzregion zwischen Kantabrien und Asturien ist diese Küstenform zu finden. Denn hier hier kommt das Hochgebirge dem Meer tatsächlich ganz nahe. Neben gut erreichbaren und im Sommer auch gut besuchten Stränden findet sich hier auch der ein oder andere "Traumstrand", an dem man den Tag ohne viele Menschen gemeinsam mit den Möwen verbringen kann.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Die Naturschätze des spanischen Nordens repräsentieren unter anderem die Nationalparke „Picos de Europa“ und „Islas Antlánticas de Galicia“. Diese Nationalparke werden auch vom Tourismus entsprechend wahrgenommen und sind daher zur Hauptreisezeit im Sommer entsprechend stark frequentiert. Aber es müssen nicht immer diese „Hotspots“ sein. Auch die große Zahl an Naturparken, Biosphärenregionen und anderen Schutzgebiete sind lohnende Ziele, um die für diesen Teil Spaniens typische Natur kennenzulernen.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Während unserer Spanienreise im August und September 2024 haben wir sowohl die Gebirgsregionen als auch die oft vom Wind umtoste Küste besucht. Von den „Valles Pasiegos“, deren Hauptfluss, der Río Pas, beim „Parque Natural de las Dunas die Liencres“ ganz nahe eines ausgeprägten Dünensystems in den Atlantik mündet, über den „Alto Campoo“ und den „Parque Natural Montaña Palentina“, in dem es früher noch eine größere Bärenpopulation gab, sind wir zunächst weiter in die Grenzregion von Asturien und Kastilien und León gefahren.

Dort waren wir für eine Woche in den unmittelbar aneinandergrenzenden Naturparken „Parque Natural Babia y Luna“ (in Kastilien und León) und „Parque Natural de Somiedo“ (in Asturien). Es ist die Region in der die meisten Braunbären leben und man zudem viel über die auch heute praktizierte Transhumanz lernen kann.
Bei der Transhumanz handelt es sich um verschiedene Formen der Wanderweidewirtschaft, denen gemein ist, dass das Vieh (Rinder oder Schafe) je nach Jahreszeit an unterschiedlichen Orten weiden und - in der traditionellen Form - von Hirten und ihren Hunden bei den Wanderungen begleitet werden. Vor allem das Informationszentrum des „Parque Natural Babia y Luna“ im kleinen Ort Riolago de Babia bietet diesbezüglich ausführliche Beschreibungen und eine filmische Aufarbeitung an.

Darüber hinaus wird im Naturparkzentrum in sehr ansprechender Form über Geologie der Region sowie die Flora und Fauna des Naturparks informiert. Programme für Besuchergruppen, auch für Schülerinnen und Schüler aus der Region und der nicht weit entfernten Provinzhauptstadt León runden das Angebot des Informationszentrums ab.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Doch gibt es die Tradition der Transhumanz auch jenseits der Provinzgrenze in Asturien - und die Bären halten sich nicht an die von Menschen gezogenen Grenzen der Naturparks. Auch in den an die Schutzzonen angrenzenden Tälern, vor allem in Teverga und Quirós, kann man Bären oder ihre Spuren immer häufiger finden.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Die Zahl der Bären hat sich aufgrund der Arbeit unserer Partnerorganisation FAPAS sowie weiterer Organisationen in den letzten Jahren nicht nur stabilisiert, sondern es zeigt sich eine außerordentlich positive Entwicklung. Bären kann man inzwischen bis hinunter in die Nähe der Hauptstadt Oviedo und – auf der kastilischen Seite der Berge – auch wieder bis in die Gegend des Río Omaña finden. Sie queren auch die Straßen, was sowohl für die Bären selbst als auch für die Autofahrer zu gefährlichen Situationen führen kann. Vor allem junge männliche Bären ziehen ähnlich der Wander-Wölfe in neue Regionen und halten sich dort auf, solange sie Rückzugsorte finden und es ausreichend Nahrung gibt. Junge Bärinnen bleiben hingegen oft in der Region, in der sie aufgewachsen sind und damit dort, wo sie von ihrer Mutter gelernt haben, wie man für sich und seinen Nachwuchs Nahrung findet. 
Bei einer Exkursion zu Bärenbeobachtung konnten wir eine solche „kleine Familie“ von Bären dabei beobachten, wie sie von Busch zu Busch wanderte um die Beeren des Alpen-Kreuzdorns zu fressen. "Was frisst der Bär?": Mit dieser Frage und der für viele Kinder und Erwachsene immer noch überraschenden Antwort startet ein Rundgang im Alternativen Bärenpark in Worbis in Thüringen. Die Möglichkeit, Bären bei ihrer Nahrungssuche im Gebirge zu beobachten ist eine interessante und zugleich sehr schöne Erweiterung zur Klärung dieser Frage. 

Doch muss man den Aufwand der Bärenbeobachtung nicht betreiben, um die Anwesenheit der Bären festzustellen. Fast bei jeder Wanderung in der Region kann man mit etwas Kenntnis oder einem guten Führer Spuren der Bären entdecken. Zum Beispiel Exkremente, die erkennen lassen, was der Bär zuletzt gefressen hat. Oder Haare, die die Bären beim Durchklettern der überall vorhandenen Stacheldrahtzäune verlieren.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Neben dem längeren Aufenthalt in der Region, in der unser Partner FAPAS aktiv ist, sind wir weiter nach Westen in das für uns noch weitgehend unbekannte Galicien gefahren. Nach der Fahrt entlang des längsten Flusses in Galicien, dem Río Miño, bis an dessen Mündung an der Grenze zu Portugal und weiterer Stationen an den sogenannten „Rías Baixas“ haben wir uns für einen längeren Besuch im „Parque Natural de Corrubedo“ entschieden. Bei diesem Naturpark auf der Halbinsel Barbanza handelt es sich um ein sehr weitläufiges Dünengebiet mit wunderschönen Stränden sowie angrenzenden Lagunen und Feuchtgebieten.
Foto: PIENSA!-Stiftung
Die Halbinsel Barbanza liegt zwischen der Ría de Arousa und der Ría de Muros y Noia und weist im Gegensatz zu anderen Halbinseln weniger hohe Erhebungen auf. Von diesen Erhebungen, insbesondere von den nur rund 200 Meter hohen Hügeln an der Spitze der Halbinsel, hat man einen wundervollen Rundumblick auf die Dünenlandschaften, die Lagunen, Strände und das Meer. Und auf die rund 20 Meter hohe und einen Kilometer lange Wanderdüne, für die der Naturpark bekannt ist. 

Das Informationszentrum des Naturparks („Casa del Mar“) bietet eine umfangreiche Ausstellung an - leider aber nur in der regionalen Sprache „Gallego“. Bei allem Respekt vor der weitgehenden Autonomie Galiciens und der offiziellen Amtssprache „Gallego“ wäre es hilfreich, das Informationsangebot mehrsprachig zu gestalten.
Was uns allerdings sehr gut gefallen hat war die Aufarbeitung der Problematik der Verschmutzung der Meere sowie die schönen Beispiele dafür, was Kinder aus dem eingesammelten Abfall alles hergestellen können. Wir konnten dort die ein oder andere „Upcycling-Idee“ für unseren „SwopShop Weltverändern“ mitnehmen. Eine Zusammenstellung von Fotos aus diesem Beitrag und aus dem Informationszentrum des Naturparks Corrubedo haben wir in einer Bildergalerie zusammengestellt.
Seit Ende September sind wir zurück von unserer Reise. Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen aus den Regionen, die wir bereits kannten und in denen wir bereits über Kontakte verfügen. Aber auch mit neuem Wissen und vielen neuen Erfahrungen von der Reise entlang der galizischen Küste. Mit Blick auf unser Netzwerk im spanischen Norden haben wir gute Gespräche führen und neue Menschen kennenlernen dürfen. Zum Beispiel jene Menschen, die sich bereits vor 20 Jahren für die Naturbildung in der Region eingesetzt und Programme angeboten haben - und dies heute immer noch und möglicherweise wieder verstärkt tun werden. Oder einen Lehrer einer Schule in Oviedo, der sich in seiner Schule für Exkursionen in die Natur einsetzt aber zugleich schildert, dass es viele Kolleginnen und Kollegen gibt, die sich das aus verschiedenen Gründen für ihre Kinder nicht vorstellen können.

Kindern und Jugendlichen wieder mehr „Zeit draußen“ zu ermöglichen, ist nicht nur eine Herausforderung bei uns in Deutschland. Auch in Spanien gibt es viele und vielleicht auch sehr ähnliche Gründe, die dies erschweren. Doch wir bleiben an der Sache dran: Hier bei uns in Wiesbaden und Hessen und - wenn möglich – gemeinsam mit Partnern auch im spanischen Norden.
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